September 2022

„Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit“
- Sirach 1,10

Das Zitat aus dem Buch „Jesus Sirach“, das den Monatsspruch für September kennzeichnet, ist für viele Leserinnen/Leser als Quelle wohl unbekannt. Die Schrift umfasst 51 Kapitel, die zunächst die Gottesfurcht und die daraus erwachsene Weisheit facettenreich beschreibt. Dieser schließen sich Weisheitssprüche, Lehrgedichte und Erörterungen an. In weiteren Teilen wird die Weisheit der Schöpfung Gottes und sein Wirken auf das Volk Israel thematisiert. Den Abschluss bildet das Lob des Hohenpriesters Simon, dem die Autorenschaft der Schrift1 zugeordnet wird. Das Buch „Jesus Sirach“ wurde nicht in den Kanon der alttestamentarischen Schriften aufgenommen, wohl aber auszugsweise in den Gottesdiensten, bis heute, zitiert.

Höhepunkt des Sirachbuches ist das 24 Kapitel, in dem es allein um die Weisheit geht. Diese ging vor den Anfängen der Schöpfung aus dem Munde Gottes heraus und hat sich dann auf dessen Befehl hin Israel erwählt.

Weisheit ist heute mehr denn je gefragt. Unsere Zeit, in der alt bewährte Strukturen nur noch bedingt Sicherheit geben, ist auf Weisheit, d.h. hilfreiche, kluge, bedachte und geprüfte Durchdringung von komplexen Sachverhalten und Problemen angewiesen. Fehlt Weisheit, folgt an ihrer Stelle schnell Besserwisserei, die sich in ihrer Umsetzung in praktisches Handeln oftmals selbst widerlegt.

"Simon, Sohn des Jesus, Sohn des Eleasar des Sohnes des Sira"2, der Verfasser der Schrift, bindet Weisheit an die Haltung des Menschen Gott gegenüber. Sie zeichnet sich durch Furcht, womit Ehrfurcht, das Anerkennen Gottes, als den Schöpfer der Welt und des Menschen aus. Furcht im Sinn von Angst ist nicht gemeint, wenn gleich eine solche Furcht davor bewahrt, Gott zu ignorieren und die menschliche Vernunft an die Stelle der göttlich gegebenen Weisheit zu stellen. Simon schreibt zur Furcht des Herrn:

„Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und eine schöne Krone. Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich und gibt Freude und Wonne und langes Leben. Wer den Herrn fürchtet, dem wird's am Ende gut gehen, und am Tage seines Todes wird er den Segen empfangen.“

Wenn die Furcht des Herrn ein so gewaltiges Lebensergebnis erhoffen lässt, dann bricht die Frage auf, warum die Kirche Jesu Christi hiervon in unserer Zeit schweigt. Hat sie sie vergessen, verdrängt und als nicht mehr in die Zeit passend empfunden? Wenn ja, ist das ein folgenschweres Fehlen, das den Menschen auf die Füße fällt. Damit das nicht geschieht, mahnt und bezeugt Simon: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit, und wer sie erblickt, der liebt sie; denn er sieht, welch große Wunder sie tut.“

Wir gewinnen Lebensqualität, wenn wir nach Gott fragen und ihm dabei ehrfürchtig gegenübertreten. Das schließt nicht aus, „Vater unser“, … zu sagen. Gott zu lieben ist, anders gewendet, bei genauer Betrachtung seiner Schöpfung nicht schwer, denn die in ihr verborgene Weisheit motiviert dazu in besonderer Weise. (krb)

1 Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 10., veränd. Aufl. 2018.

2 Vgl.: https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/spaetschriften-des-at/jesus-sirach-ecclesiasticus/ - 02.09.2022, 15:41

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