Mai 2021

„Öffne deinen Mund für den Stummen,
für das Recht aller Schwachen!“
- Sprüche 31,8

Der Monatsspruch aus dem Buch der Sprüche ist von König Lemuel, nicht vom weisen König Salomo, dem die meisten Sprüche zugeschrieben werden. Im Kontext der Aufforderung erhält der Rezipient derselben den Hinweis, dass der König in der Sache von seiner Mutter belehrt wurde. Statt sich mit seinesgleichen zu erfreuen und mit ihnen den seiner Gesellschaftsschicht entsprechenden Interessen (Herrschenden) zu folgen, soll er sich für Gerechtigkeit und Recht der Elenden und Armen einsetzen.

Die Dringlichkeit dem Appell nachzukommen, ist zeitaktuell das Thema für alle, die in Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Kultur und Kirche Verantwortung übernommen haben. Die Notwendigkeit für Stumme, Elende und Schwache die Stimme zu erheben, liegt unmittelbar auf der Hand. Stumme benötigen die, die sprechen, die für sie ihre Stimme erheben können. Elende bedürfen der Hilfe von jenen, die von ihrem Gut und Haben abgeben können, weil sie im Überfluss besitzen. Schwache wiederum sind auf Starke angewiesen, weil die sie tragen und sich an ihrer Stelle für sie einsetzen können.

Das Solidaritätsprinzip unseres Staates sieht genau das vor, dass die Starken die Schwachen tragen. Deshalb gibt es unterschiedliche Steuerbeanspruchungen und unterschiedliche Unterstützung des Staates, je nach sozialem Bedarf, je nach gesundheitlichem Zustand, je nach Wirtschaftskraft und Bildungsvermögen.

Der Stumme muss nicht von Geburt an stumm gewesen sein. Krankheit, Unfall oder soziale Diskriminierung wie auch Entwürdigung, können Menschen „stumm“ werden lassen. Der Elende ist nicht zwingend selbstverschuldet ins Elend gekommen. Das belegen vielfältige Berufsschicksale in unterschiedlichen Branchen freier Gewerbetreibender in der Pandemie seit März 2020 bis in die erste Hälfte des Jahres 2021 schon jetzt definitiv. Der Schwache, seiner Chancen, Ressourcen und menschlichen Bedürfnissen entledigte, kann ebenfalls mehr Opfer als selbstverantwortlich für verfehlte Entscheidungen und Vorhaben in seinem Leben sein.

Diakonie, Caritas und vielfältige Hilfsorganisationen unterschiedlicher Provenienz erheben ihre Stimme für diejenigen, denen sie Gerechtigkeit und Recht zukommen lassen wollen, weil ihnen beides vorenthalten wird.

In der Gesetzgebung der Bundesrepublik Deutschland sind in den verschiedenen Rechtsgebieten und entsprechenden Gesetzeswerken Gerechtigkeit, Recht, Freiheit und Würde des Menschen Grundlage für die Ausformulierung der entsprechenden Gesetze. Damit ist aber nicht sogleich Gerechtigkeit und Recht für Stumme, Elende und Schwache gegeben. Es bedarf immer der Stimme von Verantwortungsträgern, die in ihrem Bereich auf Gerechtigkeit und Recht achten und nicht auf ihren Vorteil, auf ihr Ansehen und auf ihr Wohlergehen.

Der Monatsspruch für den Mai 2021 richtet sich an die Habenden, an die ihrer Stimme gewissen, an die Starken mit der Aufforderung, dass sie sich mit ihren Begabungen für jene einsetzen, denen es daran fehlt, selbst für Gerechtigkeit und Recht zu sprechen. Die das tun, haben das Recht, sich nicht den „Mund“ verbieten zu lassen und zugleich zu prüfen, ob sie in Lauterkeit ihre Stimme für andere erheben oder ob die anderen nur Vorwand sind, eigene Interessen zur Sprache zu bringen. (krb)

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