November 2019

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“
- Hiob 19,25

Das Buch Hiob, im Alten Testament der Bibel, beschreibt eine extreme Leidensgeschichte. Hiob, ein gerechter, erfolgreicher und angesehener Mann seiner Zeit, verliert Schlag auf Schlag alles, was ihm wertvoll ist und was ihn vor anderen auszeichnet.
Er hat sieben Söhne und drei Töchter, 7.000 Schafe und Ziegen, 3.000 Kamele, 1.000 Rinder und 500 Esel. Dazu entsprechend Knechte und Mägde, denen er seinen großen Besitz anvertraut. Doch nach und nach verliert er sein Vieh, weil Beduinen und Nomaden diese stehlen und seine Bediensteten töten. Schließlich kommen bei einem Festmahl, an dem alle seine Kinder versammelt sind, diese ums Leben. Der letzte Schlag, den er zu verkraften hat, betrifft ihn selbst: Er wird durch ausbrechende eiternde Geschwüre, die verteilt über seinen gesamten Körper auftreten, hart getroffen. Hiob, der gerechte und angesehene Mann, gottesfürchtig und das Recht liebend, wird auf das Härteste angefochten. Muss er nicht eigentlich dem Rat seiner Frau folgen: „Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!“1 Hiob lässt sich nicht von seiner Frau beeindrucken. Er nimmt das Gute wie das Böse an, weil er von beidem weiß, dass es an Gott vorbeigehen muss. Nicht, dass Gott Böses tut, jedoch, dass er es geschehen lässt.
Der Mann Hiob ringt existenziell mit Gott, wodurch er beispielhaft für den Menschen steht, der nach Gott fragt, mit dem Handeln Gottes rechnet und in beidem mit Gott im Gespräch ist. Freunde Hiobs, die ihn trösten und zugleich ihm ihre Ratschläge geben, weist er nach ausdauerndem Zuhören und Antwortgeben zurück. Für ihn bleibt die Gewissheit: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“
Wer dies sagen kann, spricht einen starken Satz in großer Weisheit aus. Es ist nicht schwer Gott zu loben, wenn man rundum gesund, erfolgreich und angesehen ist. Schwer wird es mit dem Gotteslob, wenn ein Schicksalsschlag nach dem anderen folgt und durch diese nichts mehr von Gottes Liebe, Güte und Barmherzigkeit im eigenen Leben vorzufinden ist. In solchen Zeiten mehren sich Lästerer und Selbstzweifel.
Schweres Leid bringt sogleich die Theodizee-Frage an die Oberfläche: Wie kann Gott es zulassen, dass es Leid und Böses in der Welt gibt, wenn er die Liebe und Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und das Leben in Person ist? Diese Frage beschäftigt Hiob, an ihr kommt er, schon durch die kritischen Rückfragen seiner Freunde, nicht vorbei. Trotzdem lautet seine Antwort: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Hiobs Wissen um die Erlöserkraft seines Gottes bringt, nach schwerem Leid, die Wende. Nach seiner Leidensgeschichte wird er um ein Vielfaches von dem belohnt, was er zuvor besaß. Warum? Weil das Festhalten an der tiefen Erlösergewissheit den Erlöser selbst zum Eingreifen bewegt. Jetzt wird aus dem zuvor zugelassenen Leid und Bösen volles Lebensglück und tiefe Dankbarkeit. Hiobs Reichtum verdoppelt sich und ihm werden wiederum sieben Söhne und drei Töchter geboren.2
Wenn wir wissen, dass unser Erlöser lebt, dann ist das Leben, selbst in tiefem Leid und unter bösen Vorzeichen und Erfahrungen, nicht zu zerstören. In der Gewissheit der Erlösung durch den lebendigen Sohn Gottes ist das Leid und Böse demaskiert und besiegt, weil ihm nicht das letzte Wort, nicht die letzte Tat bleibt. Zugleich ist in dieser Gewissheit der Kampf gegen Leid und Böses in der Welt begründet, weil kein Kampf zu kämpfen ist, dem der Sieg nicht das Ziel ist. (krb)

 

[1] Hiob 1, 9.
[2] Vgl. Hiob 42,10-17.