September 2020

„Ja, Gott war es,
der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“
- 2. Korinther 5,19

Wie ist zu verstehen, dass Gott sich mit sich selbst versöhnt hat? Oder wie ist zu verstehen, wenn verletzte Menschen sich mit sich selbst versöhnen?
Welcher Prozess ist erforderlich, damit Verletzung durch den Verletzten selbst gegenüber dem, der ihn verletzt hat, real werden kann?
Nehmen wir den Fall an, dass aus Liebe etwas für andere gesucht und geschaffen wird. Denkbar sind Gegenstände, die wertvoll und schön sind, oder vorbereitende Taten, die einem anderen Freude bereiten sollen. Werden diese dann nicht beachtet oder gar zerstört, ist der Gebende zu Recht verletzt bzw. gedemütigt.
Gott schuf Himmel und Erde, Kosmos, Bios, Flora, Fauna und den Menschen - so berichtet es uns der Schöpfungsbericht und der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom.1 Wir können bis heute beobachten und erfahren, dass die Schöpfung in sich, in all ihren Bereichen Komplexität, Schönheit und Funktionalität zeigt. Zerstört werden die Schöpfung, auch der Mensch, jeweils immer durch den Menschen selbst. Ist das nicht Missachtung und Ignoranz gegenüber dem Schöpfer? Hat ihn dies nicht dazu gebracht mit einer gewaltigen Sintflut zu antworten und als Schöpfer das Geschaffene zu zerstören2? Doch zugleich korrigierte er sein Verhalten mit dem Hinweis: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Tag und Nacht.“3
Gott ist Liebe. Nach dem Theologen Siegfried Zimmer ist „Gott ist Liebe“ die präziseste Definition Gottes. Sie schließt mit ein, dass Gott den Zugang, die Beziehung zu seinen Geschöpfen sucht und zugleich ihnen den Weg zurück zu ihrem Ursprung bei ihm eröffnet. Nicht Enttäuschung und Rückzug, nicht Vergeltung und Vernichtung, sondern Liebe ist Gottes Versöhnungsabsicht mit seinen Geschöpfen.
Wenn Gott den Versöhnungsprozess für seine Geschöpfe eröffnet, so tut er das in Jesus Christus, seinem Sohn. Hierzu gibt es im Neuen Testament etliche Belege. Christus selbst sagt zu einem Theologen, der ihn aufsucht und ihn fragt, wie ein Mensch neugeboren werden kann: „Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.“4 Oder in einer seiner Selbstzeugnisse sagt Jesus Christus: „Ich bin die Tür zu den Schafen.“5
Versöhnung und Liebe bewirken Frieden und durch Friede entsteht Offenheit für Gott wie für den Menschen und seine Welt. Unser Leben in „dunklen Zeiten“ braucht neben einer diese überwindende Ethik6 allererst die Versöhnung mit Gott, damit Liebe erfahren wird und aus ihr Kraft zur Überwindung des Bösen gewonnen werden kann. (KRB)

 

1) Vgl. Römer 1, 20-25.
2) Vgl. Genesis 6, 5-7, 24.
3) Vgl. Genesis 1, 8,22.
4) Vgl. Johannes 3,16.
5) Vgl. Johannes 10, 7.
6) Markus Gabriel: „Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten“, Ullstein, Berlin 2020