Januar 2023

„Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.“
- 1. Mose 1,31

„Das Werk lobt den Meister!“, diese Aussage wird vernommen, wenn die Qualität des geschaffenen Werkes erfahren wird. Erst im Umgang mit dem geschaffenen Werk oder in der Erforschung desselben, wird so gesprochen. Besonders von jenen, die von dem geschaffenen Werk etwas verstehen, weil sie selbst handwerklich arbeiten, weil sie selbst in dem Umfeld zuhause sind, aus dem heraus das Geschaffene entstanden ist. Für die Handwerkskunst gilt das Gesagte in besonderer Weise. Dem Bäcker schmeckt man nach, was er gebacken hat. Der Weber zeigt im Entstehen des Teppichs seine Webkunst. Nach Fertigstellung der Webprodukte wird über den Nutzer erfahrbar, welche Qualität er gekauft hat. So lassen sich vielfache Handwerksprodukte technischer und künstlerischer Art aufzählen. Immer zeigt sich ein Muster von Kreativität, Materialkenntnis und Qualität, weil das Beste im fertiggestellten Werk enthalten sein soll. Das gilt im Übrigen für jede Arbeit, wenn sie mit dem Ziel gute, ja sogar beste Arbeit zu sein, angefertigt, ausgeführt und erledigt wird. Der Soziologe Richard Sennett belegt das in seinem lesenswerten Buch über das Handwerk1 sehr eindrücklich. Im Handwerk geht es darum eine Tätigkeit, um ihrer selbst willen, gut zu machen. Wenn der Kunde sich freut und das Werk preist, ist das ein willkommener Dank, ein feines Lob für den Handwerker, nicht aber letztlicher Sinn seiner Tätigkeit. Gleichzeitig verweist jedes Werk auf seinen Schöpfer.
In dem Zitat aus Genesis, Kapitel 1, dem sogenannten ersten Schöpfungsbericht, ist es der Schöpfer selbst, der die Qualität der von ihm geschaffenen Werke beurteilt. Wenn Gott selbst alles anschaut, was er hervorgebracht hat, so zeigt er damit, dass er ein Gott ist, der sich in seinem Tun und Lassen nicht oberflächlich, im Modus des Mal-ebenso seine Schöpferarbeit verrichtet. Nein, ganz im Gegenteil. Bei Gott zählt Kreativität um ihrer selbst willen. Gottes Weltschöpfung, seine Schöpfung der Flora und Fauna und seine Erschaffung des Menschen, zeigen in jedem Individuum höchste Qualität, gepaart mit Komplexität, Schönheit und Ursprünglichkeit.
Die Bestrebung gute, beste Arbeit zu leisten ist ein Anspruch, der zurückzuführen ist auf Gott, den Schöpfer allen Lebens. Sei es organischer, anorganischer oder kosmischer Art. Alles, was lebt, was Odem hat, lobe Gott dafür.
Wir haben es bei der Schöpfung Gottes nicht mit halben Sachen, nicht mit Oberflächlichkeit, nicht mit Fehleranfälligkeit, nicht mit Verlust von Schönheit zu tun. Im Gegenteil, alles ist sehr gut.
Wir Menschen haben, weil wir Gottes Geschöpfe sind (kein Mensch hat sich selbst gemacht) ebenfalls, wie er, die Gabe kreativ zu sein, Schöpfer zu sein von materiellen, immateriellen und geistigen Werken. Im Unterschied zu ihm erschaffen wir nichts aus dem Nichts heraus, sondern immer aus der Anregung des Vorgefundenen, des Gegebenen - eben aus der sehr guten Schöpfung Gottes.
Der Maßstab menschlichen Schaffens sollte der Vergleich mit dem Vorzufindenden sein, mit dessen Gesetzmäßigkeit und Rückbezug zum Schöpfer aus dem Ursprung. Wenn wir das berücksichtigen, entstehen Werke, die den Meister loben und über ihn zugleich Gott, dessen Werke allesamt sehr gut sind. Wenn wir das bedenken, dann entstehen Werke, die das Leben fördern, beglücken und verschönern, weil sie Kunstwerke darstellen, die durch und über sich selbst hinaus verweisen auf die Schönheit der sehr guten Schöpfung Gottes. (KRB)

1 Sennett, Richard: Handwerk. Berlin Verlag 2008.