Januar 2022

„Jesus Christus spricht: Kommt und seht!“
- Johannes 1,39

Das Johannesevangelium, eines von vier uns überlieferten Evangelien1, ist sehr nah an der Person Jesus Christus. Wer die Frage bewegt: „Wer ist Jesus Christus“, ist gut beraten, das Johannesevangelium zu lesen.
In ihm sind etliche Selbstaussagen Jesu überliefert, die er direkt, in Form von Metaphern, mit theologisch symbolischen Gehalt, selbst formuliert.

- Ich bin das Brot des Lebens (vgl. Joh. 6,35)
- Ich bin das Licht der Welt (vgl. Joh. 8,12)
- Ich bin die Tür (vgl. Joh. 19,7.9)
- Ich bin der gute Hirte (vgl. Joh. 10,11.14)
- Ich bin die Auferstehung und das Leben (vgl. Joh. 11,25)
- Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh. 14,6)
- Ich bin der wahre Weinstock (vgl. Joh. 15,1).

„Kommt und seht!“, diese Aufforderung Jesu bezieht sich auf seine ersten Nachfolger, deren einer von ihnen fragt: „Wo wohnst du?“. Weil sie seiner Forderung („…kommt und seht!“) folgen, sehen sie, wo er wohnt, und bleiben für den Rest des Tages bei ihm.

Von Jesus Christus wird in der weiteren Abfolge des Johannesevangeliums berichtet, wie er in seinem Umfeld tätig ist. Jesus heilt Kranke, gewährt jenen, die zu ihm kommen und glauben, dass er ihnen helfen kann, Zutritt und konkrete Hilfe. Seine Aufforderung: „Kommt und seht!“ wird sich in vielfacher Hinsicht für jene, die ihr folgen, als segensreich erweisen. Das gilt besonders bezogen auf die von ihm steil formulierten Ich-bin Worte. Wer sie bedenkt und nicht nur meditativ für sich in Anspruch nimmt, sondern konkret werden lässt, weil seine Imperative „komm!“, „sieh!“ Beachtung finden, wird Wunder erleben.
Die Wunder beginnen mit dem Gehen, denn wer ankommen will, muss sich in Bewegung bringen. Dann ist das Sehen entscheidend. Ein Sehen, dass interessiert, neugierig und frei von Vorurteil, frei von Erwartung, weil es ja anders, evtl. besser sein wird als alles, was zuvor gesehen werden konnte, ist.
Wir blicken in unserem Jahresanfang 2022 mit Sorge auf die Corona-Pandemie-Entwicklung. Wir sehen mit Furcht auf die Entwicklung der politischen Lage in der Welt und mit Bangen den Veränderungen durch Digitalisierung und Klimawandel entgegen. Neben dem Ruf zum Aufbruch in den Fortschritt, ertönt zu Beginn des Jahres 2022 im Monatsspruch für den Januar, Jesu Ruf: „Kommt und seht!“. Er ruft dazu auf, ihn ernst zu nehmen, zu sehen, wer er ist, was er tut und wie er ist. Besonders dann, wenn er selbst so gewaltige Aussagen des Lebens für sich selbst beansprucht.
Es ist das Wagnis wert, seiner Aufforderung zu folgen, damit unser Lebenshunger (Brot), damit unsere Sehnsucht zu verstehen (Licht), damit unsere Hoffnung (Tür), damit unser Verlangen nach Geborgenheit (Hirte), damit unsere Erfahrung zu leben nicht mit dem Tod endet (Auferstehung), damit unser Bemühen um gute Lebenswege (Weg), damit das berechtigte Verlangen das Richtige zu finden (Wahrheit), damit ein erfülltes Leben (Leben), damit all das real werden kann.
Ich bin überzeugt, dass es auf jeden Fall lohnend ist. Das Jahr 2022 wird hierzu vielfache Anlässe bieten. Nutzen wir sie, um zu Jesus Christus zu kommen und bei ihm zu sehen, zu schmecken und mit ihm zu leben? Ganz unverkrampft, ganz frei von geprägter, überlieferter Vorstellung, frei nach dem, was uns als Person innerlich umtreibt. (krb)

 

*1 Evangelium = die frohe Botschaft von Jesus Christus.