Oktober 2021

„Lasst uns aufeinander achthaben
und einander anspornen
zur Liebe und zu guten Werken.“
- Hebräer 10,24

Nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 ist der Impuls des Monatsspruchs für Oktober besonders zu beachten und dessen Wirkung zu bedenken.

Der Meinungsstreit um die richtige Politik, die allen Fassetten unserer Gesellschaft gerecht wird, ist noch nicht befriedet. Jeder hält seine Partei und die in ihr für den Wähler aufgestellten Vorschläge für eine Politik des Friedens, der Gerechtigkeit und des Umweltbewusstseins für die zutreffenden. Es ergeben sich Schnittmengen unter den Parteien von CDU/CSU, SPD, FDP und Die Grünen, doch auch auffällige Unterschiede, teilweise gravierender Art. Die Parteiprogramme bilden ihrerseits die Meinung der sie wählenden Wählerinnen und Wähler ab, sodass insgesamt ein Gemisch von Millionen Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung vorhanden ist.

Der Monatsspruch fordert zu gegenseitiger Aufmerksamkeit der gegebenen Unterschiede auf. In der deliberativen Demokratie heißt das, dass Diskussionen mit Sachverstand, gut begründet und respektvoll untereinander ausgetauscht werden. Da sollte es keine Besserwisser und schon gar keine Verschwörungstäter geben. Es steht immer zu viel auf dem Spiel, wenn einseitige Überzeugungen Macht erhalten und sich durchsetzen. Verletzungen, Unfrieden und Beschwernisse breiten sich dann aus und belasten alle Lebensbezüge, um die zuvor heftig gerungen wurde. Andere Sichtweisen, Gegenargumente und Überzeugungen sollten akzeptiert und im Austausch abgewogen werden, ob sie zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung tauglich sind. Wer sich Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung zum Ziel setzt, kann leichter eigene Ansichten aufgeben, wenn sie diesen Zielen nicht genügen. Darauf sollten wir achten, die eine auf die andere Person, immer vor Augen, zur Liebe und zu guten Werken gegenseitig zu ermutigen.

Ermutigung zur Liebe und zu den durch sie erzeugten guten Taten, die erfreuen, die befrieden, die beglücken und keinen Schaden dem Nächsten und den Lebensgrundlagen der Menschen zufügen, ist das Ziel, dem sich vor allem Christen annähern sollten. Gute Werke sind von langanhaltender Wirkung, selbst wenn sie der Vergänglichkeit nicht immer entzogen werden können. Ein gutes Essen erfreut, stärkt und ist zugleich aufgegessen und dem Vergehen übergeben. Trotzdem wirkt es, trotzdem lässt es seine Spuren in der Erinnerung zurück, sodass jene, die es erinnern, das Erlebte erneut herbeisehnen.

Wieviel mehr als ein gutes Essen ist die liebevolle, achtsame Zuwendung zum Nächsten, wenn sie ihm friedlich, gerecht und würdevoll zugewandt ist. Dies vor Augen, erscheint die Unfähigkeit, gerade jenen diese Haltung zukommen zu lassen, die rücksichtslos nur eigene Überzeugungen und Interessen gelten lassen. Deshalb brauchen wir die vom Apostel Paulus ausgesprochene Ermahnung.

(krb)