Monatsspruch

Mai 2018

Was ist denn der Glaube?
Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen,
worauf man hofft,
ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.
Hebr. 11,1

Wir setzen in unserem Alltag ständig auf Glauben, da wir vieles für wahr halten, was wir nicht beweisen können. Trotzdem ist das Geglaubte für uns verbindlich und in nicht wenigen Fällen handlungsleitend.
Das Wissen dagegen ist durch Beweisführung oder Überprüfung belegt. Die moderne Wissenschaftstheorie ver­sucht, den Glauben als Bereitschaft zu bestim­mten Handlungen (im Hinblick auf den Glauben) zu deuten.
Im englischen Sprachraum unterscheidet man den theoretischen Glauben (belief) vom religiösen Glauben (faith). Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil es einen Unter­schied macht, ob wir an Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit glauben oder an Gott und an Jesus Christus.
In den Gesprächen über den Glauben an Gott wird theologisch hier und dort ver­wischt, was im Englischen, wie oben genannt, differenziert ausgedrückt ist. Ja, noch drastischer, was man mit wissenschaftlichen Methoden (philologisch, historisch etc.) nicht als wahr bestätigen kann, wird entsprechend für nicht wahr gehalten bzw. in krasser Form sogar bereitwillig bestritten. Ein Paradebeispiel für eine solche Haltung lässt sich in den Schriften des Neutesta­mentlers Gerd Lüdemann belegen, der bis 1999 an der Universität in Göttingen lehrte. Er bestreitet Jesu Jung­frauengeburt, Jesu Gottessohnschaft, Jesu Wunder und dann, konsequent, auch Jesu Auferstehung. 

Der Schreiber des Hebräerbriefes, der Juden als seine Adressaten vor Augen hat, be­legt anhand der Erlebnisberichte der Vorbilder für den Glauben aus dem Alten Testament¹, dass gerade der Glaube die ausschlaggebende Haltung war, die die Gottes­-Begegnungen bzw. Erfahrungen des Menschen mit Gott begründete. Damit stellt er den Lesern anschauliche Beispiele des Glaubens vor Augen, die sie er­mutigen sollen, dem Glauben in ihrem Leben eine starke Option zu geben. 

Der Glaube an Gott ist deshalb nicht unbedeutend, weil er unserem Leben die ent­scheidende Dimension eröffnet, ohne die die Fragen nach dem Lebenssinn und solche nach dem Ende des Lebens keine verständlichen Erklärungen bekämen.
An Wegscheiden des Lebens, wo Entscheidungen anstehen, werden diese nicht nur rational getroffen, sondern oftmals auch unterlegt mit Vertrauen und der Hoffnung, dass sie die richtigen für die jeweils sich entscheidende Person sind. 

Gefestigt im Glauben zu sein, ist nicht möglich ohne Glaubensgewissheit. Die Bot­schaft des Ostermorgens hat der Komponist Georg Friedrich Händel in einer Arie einfühlsam vertont: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt". Die Arie eröffnet den Schlussteil seines berühmtesten Musikstücks, des Oratoriums „Der Messias“.
Wohl uns, wenn wir glauben, im Glauben gewiss sind und dabei das Denken nicht vernachlässigen. (krb)

¹Vgl. Hebräer 11 zeigt Lebensbeispiele, in denen der Glaube an Gott ausschlaggebend war.
So bei Abel, Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Josef und Mose.