Monatsspruch

Dezember 2017

„Siehe, dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer.“
Sacharja 9,9

Das Volk Israel ist in besonderer Weise ein verfolgtes Volk. Seit 1948 ist dieses Volk wieder in dem Land seiner Väter. Befriedet nicht, angefeindet wie eh und je und dennoch überlebend.
Der Streit mit den Palästinensern, dem Brudervolk, hat eine lange Geschichte. Sie reicht zu Abraham zurück und ist bis heute nicht befriedet. Wer auf wessen Seite steht, ist für die Völker der anderen Nationen relativ zu ihrer Auffassung vom rechtmäßigen Besitz des Landes Palästina. Immer ein heißes Eisen für den, der es anfasst und sich, aus welchem Grund auch immer, parteinehmend auf die Seite der Palästinenser oder der Juden stellt.

Die Weltgeschichte des Volkes Israel bleibt, unbenommen der politischen Haltung gegenüber Israel oder Palästina, eine besondere, eine exklusive. Wer das leugnet, kennt die Geschichte der weltweiten Judenverfolgung nicht. Auch nicht die der unbedingt anzu­er­kennenden Leistung jüdischer Wissenschaftler, Kaufleute, Künstler und Politiker.

Dem jüdischen Volk ist der König verheißen. Ein König, der gerecht ist und hilft, wo Not nicht enden will, wo Auswege angeblich verbaut erscheinen. Dieser König erwartet von seinem Volk, dass es die Wahrheit sagt, einer mit dem anderen. Er will, dass zuverlässige und heilsame Rechtsurteile gefällt werden.¹ Er spricht sich dafür aus, dass keiner in seinem „Herzen auf das Unglück des anderen“ konzentriert ist. Sein Königreich ist geprägt von der Haltung, dass Frieden den Nationen verkündigt wird. Von seiner Friedensproklamation soll die ganze Welt erfasst werden. 

Wenn wir uns gedanklich auf diesen König einstellen, der gerecht und helfend auftritt, dann können wir ihm nur begegnen, wenn seine „Reichs-Proklamation“ auch zu unserer wird. Kein König, kein Politiker kann etwas Gerechtes und Heilendes bewirken, wenn das Volk, die Menschen in ihren Gesellschaften, das nicht ebenfalls für sich und ihre Nächsten wollen. Wenn wir das verstehen, dann sehen wir die Diskrepanz in Israel zwischen seinen Nachbarvölkern und darüber hinaus in der Welt die anderen Nationen, die nicht auf Gerechtigkeit und Heil setzen, sondern auf Macht und Eigensinn, auf Konkurrenz um das Beste nur für sich selbst zu erreichen. „America first“ steht dem kommenden König entgegen, wie jede Nation, jedes Volk, das sich selbst nur an die erste Stelle seines Wollens und Handelns stellt. Solche Haltung bringt Ungerechtigkeit und Unheil über die Völker dieser Welt. 

Das Eigeninteresse eines jeden einzelnen Menschen, wie das jedes einzelnen Volkes, sollte sich durch die Königsherrschaft des kommenden Gottes-Königs anstecken lassen. Er kommt, um Gerechtigkeit und Heil zu bringen, das ist die Maxime seines Handelns. 

Wenn der König kommt, sind wir dann bereit, ihm zu begegnen? Ist sein Lebensprinzip und „Regierungsprogramm“ für uns akzeptabel oder stößt es gegen unseren Eigensinn, der andere ausschließt, weil er nur sich selbst im Fokus sieht? 

Advent bedeutet Ankunft des Königs, der gerecht und helfend wirken will.
Advent kann zur Besinnung Anlass sein, in der die Frage bedacht wird, was unser Denken und Wollen, Tun und Lassen bestimmt: Eigensinn oder Gerechtigkeit, Durchsetzung des eigenen Willens oder Konzentration auf das Heil des anderen wie des eigenen Lebens. (krb)

¹ Vgl. Sacharja 8, 16 f.