Juli 2020

„Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
- 1. Könige 19,7

Wer Verantwortung für andere übernimmt und dies im Kontext von gesellschaftlichen Ordnungen tut, steht an herausgehobener Stelle. Das mag dem einen schmeicheln, dem anderen eher Mut abverlangen, wenn schwierige Entscheidungen zu treffen sind. Im Lockdown für den Kreis Gütersloh und Warendorf1 war die Herbeiführung der Entscheidung mit einer großen Kraftanstrengung verbunden. Einerseits notwendig, um Leben nicht zu gefährden und andererseits, bei 24 Infizierten in der Relation zur Bewohnerzahl des Kreises Gütersloh, für manche nicht nachvollziehbar. Wer zu entscheiden hat, muss sich der Verantwortung in der Konsequenz für andere, eben für Betroffene, sehr sicher sein. Ist die Entscheidung gefallen, trifft sie in der Konsequenz auch jenen, der sie traf.

Dass Entscheidungsträger müde bzw. mürbe werden, ist gut nachvollziehbar. Wenn sie sich nach getaner Arbeit zurückziehen oder gar flüchten, wie das bei dem Propheten Elia geschah, von dem der Monatsspruch spricht, ist das nicht die Lösung, denn Standhalten ist angesagt.

So sehen das diejenigen, die als Betroffene von Entscheidungen auszumachen sind. Dass es ein berechtigtes Anliegen von Entscheidungsbevollmächtigten zum Rückzug gibt, ist die andere Seite der Medaille.

Elia war auf dem Rückzug. Er verließ nach ausgeführtem Auftrag Gottes im Kampf gegen die Baals-Priester den Ort. In dieser Situation gehen die beiden Imperative auf Elia nieder.

„Steh auf!“, ist ein ermutigender Imperativ, wenn er berücksichtigt, dass der Liegende dazu in der Lage ist. Nach der Herausforderung Verantwortung zu übernehmen ist es gut zu hören: „Steh auf, du hast es richtig gemacht, lass dich nicht entmutigen!“ Der Rat zu essen, sich zu stärken bzw. sich an die vorhandenen Stärken zu erinnern, ist wichtig, um wieder Standhaftigkeit zu erlangen.

Wir sollten die ermutigenden, die hilfreichen und uns an unsere Berufung erinnernden Imperative neu zu schätzen lernen. Sie erinnern uns daran, dass ein allzu schnelles Aufgeben oftmals nicht die Lösung ist.

In Zeiten von Pandemie sind solche Imperative einander zugesprochene Kraftpakete, um durchhalten zu können, wenn die vor uns liegende Wegstrecke bis zum Ende der Pandemie noch nicht zu erkennen ist.

 

1) Ausgesprochen am 23.06.2020 durch den Ministerpräsidenten des Landes NRW