November 2018

„Ich sah die heilige Stadt,
das neue Jerusalem,
von Gott aus dem Himmel herabkommen,
schön wie eine Braut,
die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.“
Offenbarung 21,2 

Die heilige Stadt ist und hat etwas besonderes. Sie schützt ihre Bewohner, weil in ihren Mauern der Friede regiert und weil sie das heiligt, was Würde hat und nicht zerstört werden darf.
Die heilige Stadt ist nicht Jerusalem oder Mekka, nicht Rom und nicht Konstantinopel. Mögen diese Städte uns noch so sehr an das „Heilige“ erinnern, von dem sie zu erzählen wissen.
Die heilige Stadt ist nicht von dieser Welt, auch wenn wir in unserer Welt heilige Städte benennen, weil in ihnen, aus historischen Wurzeln gewachsen, außergewöhnliches ge­schehen ist.
Das Heilige wird als wertvoll gewürdigt, sodass seit Jahrhunderten Menschen heilige Städte aufsuchen, um in ihnen dem Heiligen näher zu sein. Doch kritisch angefragt: Kommt man heiliger aus einer heiligen Stadt heraus, als man hineinging?

Das Wort heilig bezeichnet in seiner Geschichte, vom hebräischen qadosch, über das Lateinische sanctus, bis hin zum griechischen hagios etwas, das abgesondert von allem Unreinen ist. Heilig ist deshalb nur in und mit Gott selbst zu identifizieren. Er sagt seinem Volk: „Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“¹ Israel, das Gottesvolk, soll heilig leben, abgesondert von allem, was unrein ist und Verun­reinigung hervorbringt, sobald man mit ihm in Berührung kommt. Die heilige Stadt bewahrt das Heilige, weil in ihr Gott das Regiment hat.

Wir suchen in unserer zunehmend „verunreinigten“ Welt, deren Verunreinigter in vielfältiger Gestalt auftreten, denken wir z.B. an die Verbreitung von Missgunst, Mobbing, Macht­missbrauch, Angst und Krieg. Das Heilige, das Reine, dass, was Glück und Würde beinhaltet und erhält, wo ist es zu finden? Einmal in der Nähe zu Gott, die durch die „Tür“, die Jesus Christus, sein Sohn für uns ist, erlebt werden kann. Zum anderen in der realen Hoffungsperspektive, die bereits das Erhoffte sieht und sich darüber freut. So geht es dem Seher Johannes! Er sieht die heilige Stadt Jerusalem, die ihm und seinen Zeitgenossen bedeutungs­voll ist, weil sie von ihr, in der ihnen bekannten religiösen Überlieferung, bereits etliches vernommen haben.
Die Hoffnung auf die heilige Stadt ist berechtigt. Wir sehnen uns danach, weil wir in unheil­vollen Städten ausharren müssen, obwohl wir uns nach Frieden, Ge­rechtigkeit und Freude ausstrecken. Für Johannes wird der Wunsch im Traumgesicht real. In ihm wird das Geschenk der heiligen Stadt durch Gott selbst überreicht. Vorbereitet wunderbar, wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam schmückt, sodass er überrascht, erfreut, ergriffen und begeistert sich seiner Braut nähert. Die Hoffnung auf Frieden in Stadt und Land, in Familien, Schulen und an Arbeitsplätzen ist berechtigt. Sie wird aber nicht real, wenn das Unreine, das Zerstörerische nicht überwunden wird. Erst wenn das geschehen ist, hat das Heilige Kraft, um zur Entfaltung zu kommen. Gott kommt vom Himmel auf die Erde, der Advent Gottes kündigt sich an, auch im Traumgesicht des Johannes. Welchen Traum von Frieden sehen wir, damit das Heilige sich offenbaren kann? Wenn wir darüber nachdenken, spüren wir Ab­schattungen vom Herabkommen der neuen, heiligen Stadt, in der wir ohne Angst, ohne Trauer und ohne Leid leben dürfen. Ist das Utopie? Nein! Können wir den Traum selbst verwirklichen? Nein! Seine Realisation ist ein Gnadengeschenk Gottes für alle, die sich um seinetwillen von allem Unreinen trennen. (krb)

¹Vgl. 3. Mose 19,2.