Mai 2019

„Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“

2. Samuel 7,22

 

Die im Monatsspruch Mai zu lesende Aussage ist von dem israelischen König David, der um 1000 v. Chr. lebte. Durch den Propheten Nathan erfährt David, welche Verheißung für ihn und sein König­reich aus Gottes Perspektive gilt.

David ist es ein Anliegen, Gott ein Haus aus Zedernholz zu bauen. Daraufhin erhält er aus dem Mund des Propheten Gottes Sicht zu seinem Vorhaben. Sein Sohn, Salomo, ist von Gott ausersehen, ihm ein Haus (Tempel) zu bauen.[1]

David reagiert auf die ihm überbrachte Botschaft: „Wer bin ich, Herr, HERR, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast?“ [2] ergriffen.

Alles, was er in seinem Leben mit Gott erfahren hat, als Hirtenjunge, der den Riesen Goliath besiegt, der vor dem König Saul die Harfe spielt und dann vor ihm flieht, später zum König von Israel ernannt wird und in seinem Leben Höhen und Tiefen ganz existenziell durchmacht, verdichtet sich für ihn Gott gegenüber in dem Satz: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“

Wer über Gott spricht, teil damit zugleich etwas von sich selbst mit. Wir Menschen haben geheimnisvoll die Frage nach Gott in uns. Weltoffenheit schließt Gottesoffenheit ein, ob uns das bewusst ist oder nicht, ob wir das glaubend erfassen oder ungläubig ablehnen. Gott ist in seiner Existenz weder zu beweisen noch grundsätzlich zu verneinen. Es bleibt eine Haltung des Glaubens, die Vernunft hilft existenziell hierbei wenig. Kommt aber das Verstehen des Lebens zu dem Ergebnis, dass der Mensch Geschöpf Gottes ist, dann ist eine Beziehungsbasis geschaffen, in der sich das Geschöpf im Gegenüber zu Gott versteht. Erst in einer solchen Begegnungs­qualität lassen sich Erfahrungen in Aussagen verdichten, die das Leben mit Gott beschreiben. „Keiner ist wie du!“, lässt auf einen Lebenskontext schließen, in dem viel erfahren wurde und in dem das eigene Leben im Gegenüber zu anderen Menschen, ihre Kultur und Religion (Nihilismus, Atheismus, Agnostizismus sind implizite Glaubens­haltungen) als Vergleich tauglich erscheint. Entsprechend kommen Qualitätsergebnisse und Haltungs­über­zeugungen zum Vorschein, die in ihrem Fazit an Eindeutigkeit keinen Zweifel lassen. Davids Äußerung zu Gott benennt nicht nur dessen Einzigartigkeit, sondern zugleich auch Gottes Göttlichkeit. „Ist kein Gott außer dir!“, betont Gottes Ausschließlichkeit zu allen anderen Göttern, die zur Zeit Davids Gläubige hinter sich versammeln konnten.

Die selbstbewusste und aus tiefer, eigener Lebenser­fahrung geprägte Aussage Davids zu und von seinem Gott, erzeugt sogleich Protest bis hin zur Bekämpfung der Einzigartigkeit Gottes durch andere Götter und ihren Gläubigen. Mit diesem Kontrast und der in ihm enthaltenen Spannung haben wir es bis heute zu tun. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Davids Gottes­zeugnis direkt im Gespräch mit Gott von David geäußert wird. Er ruft es nicht laut vor anderen Menschen aus. Wer das tut, provoziert Zustimmung und Ablehnung, ohne im Geringsten erzählt zu haben, welche Erfahrungen sich in dieser Aussage bündeln.

Es gibt viele Götter, aber nur einen wahren Gott - so David, so viele Christen*innen. Wer das sagt und glaubt, ist herausgefordert, die Gründe zu benennen, die ihn zu dieser Aussage geführt haben. Sie werden für sich selbst Beweis sein, dass es nur einen wahren Gott gibt, der die Liebe ist, der Vergebung und Barmherzigkeit liebt und der seine Geschöpfe sucht, weil er die Ge­meinschaft mit ihnen ersehnt.

(krb)

 

[1] Der sogenannte „Salomonische Tempel“ (auch erster Tempel, der heilige Tempel im alten Jerusalem) wurde später durch

Nebukadnezar II zerstört.

[2] Vgl. 2. Samuel 7, 18b