Januar 2020

„Gott ist treu“
- 1. Korinther 1,9

Treue ist ein Wert an sich, der in der Beziehung unverzichtbar ist, weil er Personen, die sich zueinander gestellt sehen, Verlässlichkeit bietet. Wer treu ist, ist verlässlich.

In der Begegnung von Menschen verschränken sich Lebensgeschichten, die wiederum auf Treue angewiesen sind. Jetzt nicht nur unter dem Aspekt der Verlässlichkeit, sondern im Sinne des Vertrauens. Wer treu ist, auf den kann man sich verlassen und dem kann man vertrauen.

Was gegenüber anderen Personen gilt, das gilt auch für die Person selbst, die zu sich selbst ein Verhältnis hat und sich darüber im Klaren ist. Dann bedeutet Treue, dass man sich selbst gegenüber verlässlich ist, d.h. zu sich selbst stehen kann. Letzteres ist in unserer Zeit wieder in Erinnerung zu rufen, weil Mut und Entschlossen¬heit gefordert sind, wenn es darum geht, die eigene Überzeugung nicht zu verraten.

Treue kann missverständlich sogar ins Gegenteil ihres eigentlichen Sinnes verfallen, weil man denkt, unbedingt an etwas festhalten zu müssen, was aber nicht mehr trägt. In dieser Situation ist die Treue zu sich selbst wichtig, um neue Wege in der Überzeugung zugehen, dass sie richtig für die Person sind.

Wenn der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth diese an Gottes Treue erinnert, dann tut er das, weil die Christen zu jener Zeit - wie übrigens zu allen Zeiten, bis heute - herausgefordert sind, im säkularen Umfeld zu ihrem Glauben an Gott zu stehen. Je gottvergessener die Menschen leben, desto herausfordernder ist es, den Glauben an den lebendigen Gott zu bezeugen und überzeugend zu leben.
Gottes Treue, die den Christen in der Autorität des Apostels zugesprochen wird, geht über das Leben selbst hinaus. Es ist die Zusage der Treue Gottes über den Tod hinaus. Und genau das ist es, was wir Menschen brauchen: Hoffnung auf die Gnade, Barmherzigkeit und Treue Gottes, wenn die eigene Sicherheit sich im Angesicht des Todes auflöst.

Demnach ist Treue immer in konkrete Lebenskontexte eingebunden, die ihr die notwendige Resonanz geben und sie zugleich läutert. Ob man wirklich treu zu denen steht, mit denen man Beziehungen pflegt und ob man wirklich treu zu sich selbst steht, wenn man in Bedrängnis geraten ist, wird sich dann zeigen, wenn es darum geht, dass die Treue sich selbst zu erkennen gibt.

Wenn Gott treu ist, dann ist er es in konkreten Lebenssituationen für seine Kinder, denen er Vater sein will. Das konnte David vielfach in seinem Leben erfahren, weshalb er sagt: „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet schläft nicht.“1
Auf Gottes Treue kann man sich verlassen, er ist treu! Sind wir es ihm gegenüber auch?
Wohl uns, wenn wir das Treueverhältnis von Gott zum Menschen und das des Menschen zu Gott 2020 nicht aus den Augen verlieren. (KRB)

 

1) Vgl.: Psalm 121,3.