Berufskolleg Eben-Ezer zum Projektbesuch in der Sleszka Diakonie

Im Rahmen des Projekts „Gemeinsam Lernen und Arbeiten – Praxiserfahrungen für Heilerziehungspfleger in einer tschechischen Einrichtung der Behindertenhilfe“ hospitierten vierzehn Studierende des Berufskollegs der Stiftung Eben-Ezer vom 3. Bis 17. April in den Einrichtungen der Sleszka Diakonie in Celsky Tesin (Tschechien). Die Idee zu diesem Projekt entstand aus der engen und im Dezember 2015 auch per Kooperationsvertrag besiegelten Partnerschaft zwischen der Sleszka Diakonie und der Stiftung Eben-Ezer (das FORUM berichtete) und dient als erster konkreter Schritt, diese Partnerschaft mit Leben zu füllen. Die Finanzierung über das EU-Programm „Erasmus+ - Mobilität von Lernenden und Bildungspersonal im Bereich Berufsbildung“ machte diesen Praxisaufenthalt auch in dieser Länge erst möglich.

Die Studierenden setzten sich in der Vorbereitungsphase mit Beginn des Schuljahres 2015/16 in unterschiedlichen Fächern mit projektbezogenen pflegerischen und pädagogischen sowie landeskundlichen und kulturellen Aspekten auseinander, um gut vorbereitet mit entsprechenden Fragestellungen und gezielter Erwartungshaltung die vierzehntätige Praxisphase in der Sleszka Diakonie zu absolvieren. Zielsetzungen des Praxisprojekts waren, dass die Studierenden durch die praktischen Erfahrungen und theoretischen Auseinandersetzungen mit neuen fachlichen, sprachlichen, interkulturellen, landeskundlichen und sozialen Aspekten in einem ihnen weitgehend fremden System der Behindertenhilfe eines anderen europäischen Landes ihre eigenen Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen erweitern.

Am 3. April traten per Bus 18 Studierende und zwei begleitende Lehrkräfte des Berufskollegs die Reise nach Celsky Tesin an. Eine Stadt, die zur einen Hälfte auf polnischer und zur anderen Hälfte auf tschechischer Seite angesiedelt ist. Auf der polnischen Seite wurde in einem sehr guten Hostel in einer alten Festungsanlage übernachtet. Auf der tschechischen Seite wurde in unterschiedlichen Einrichtungen (Schulen für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung, tagestrukturierende und beschäftigungsorientierte Angebote für Erwachsene mit einer geistigen Behinderung) gearbeitet. Der erste Tag stand im Zeichen einer herzlichen Begrüßung und Vorstellung des strukturellen Aufbaus der aufnehmenden Organisation und der Funktionsweise des Systems der Behindertenhilfe in Tschechien durch die Vertreter der Sleszka Diakonie und fand in ihrer Zentrale statt. Anschließend erfolgte die Zuteilung der Studierenden auf die einzelnen Einrichtungsbausteine. Schon hier wurde deutlich und bestätigte sich auch in der gesamten Dauer des Aufenthaltes, dass Frau Kantorova, Koordinatorin und Projektbegleiterin der Sleszka Diakonie, alles bestens koordiniert und geplant hatte. Praktische Erfahrungen mit Kollegen und Menschen mit Behinderungen in der Sleszka Diakonie prägten dann die anderen Tage des Aufenthaltes, unterbrochen von einer Fahrt ins nahe gelegene, ehemalige Konzentrationslager Ausschwitz und nach Krakau. Aus den Reflexionsgesprächen, -berichten der Studierenden und den Besuchen der begleitenden Lehrkräfte lässt sich entnehmen, dass die Studierenden sehr schnell und gut begleitet in die tägliche Arbeit integriert wurden. Trotz Sprachproblemen fand ein reger Austausch über die vielfältigen Gesichtspunkte der Arbeit und auch unterschiedlichen praktischen Herangehensweisen statt. Oft äußerten dabei die Mitarbeiter der Sleszka Diakonie, gerne praktische Erfahrungen in der Stiftung Eben-Ezer zu machen. Nach einer Woche wechselten die Studierenden die Praxisstellen, um dadurch noch breiter gefächertere Erfahrungen machen zu können. Der Abschlusstag stand ganz im Zeichen einer gemeinsamen Abschlussreflexion, in der noch einmal deutlich wurde, wie positiv alle Beteiligten diese ganz praktischen, auf den Alltag bezogenen gemeinsamen Erfahrungen und auch den damit einhergehenden Abbau von gegenseitigen Berührungsängsten empfunden haben. Es wäre wichtig, dies im Rahmen weiterer konkreter Kooperationsbeziehungen weiter zu festigen.

Als ein Fazit des gemeinsamen Projekts aus Sicht der Studierenden bleibt sicher festzustellen, was zwei von ihnen in ihren Abschlussberichten sehr treffend formulierten: „Die ausgesprochen positive Grundhaltung der Mitarbeiter der diakonischen Einrichtung in Tschechien hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Es hat sich ein sehr positives Gefühl in Bezug auf meine Arbeit mit Menschen mit Behinderung eingestellt. Sich angenommen und willkommen zu fühlen, hat mich ausgesprochen motiviert und ich empfinde es als große Bereicherung der gesamten Lernerfahrung. Ich habe es als sehr bereichernd empfunden, dass aktiv Elemente der täglichen Arbeit mit den dort betreuten Jugendlichen vor Ort mit mir geteilt wurden.“ Und weiter: „Ich war immer der Meinung, dass ich mir das Arbeiten in einem anderen Land nicht vorstellen kann. Diese Meinung bzw. Sicht hat sich komplett geändert. Es war schön, die Erfahrung zu machen, dass ich meine Kompetenzen auch in anderen Einrichtungen in einem anderen Land anwenden kann. Die Vorstellung, ein Auslandspraktikum über mehrere Wochen zu machen, ist durchaus realistisch.“

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