Monatsspruch

Juni 2017

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
- Apostelgeschichte 5,29

Das Wort gehorchen verweist auf die Haltung des Hörens und des hierauf folgenden Gehens. Im Lärm der Zeit geht das Hören oftmals unter, da es übertönt wird von diesem und jenem, was sich lautstark in den Vordergrund drängt. Wird der Lärm zu stark, weicht man ihm aus – eine reflexartige Reaktion. Hier sind Hören und Gehen sogleich miteinander verbunden.

Gehorchen verlangt zu hören, was gesagt wird. Inhaltlich ist die gesagte Botschaft abhängig von der Art und Weise, wie sie gesagt wird. Nicht umsonst heißt es: „Der Ton macht die Musik!“

In der Erziehung, ob im Elternhaus oder in der Schule, wird unüberhörbar von der Wichtigkeit des Gehorsams gesprochen und entsprechend praktisch von Kindern und Schülern eingefordert. Übereinstimmend ist die Klage zu hören, dass Kinder und Schüler nicht mehr das tun, was ihnen gesagt wird. Hierfür gibt es vielfache Gründe, die nicht ausschließlich auf der Seite der Hörenden zu suchen sind. Wenn Eltern und Lehrer in ihrem unabdingbar zu fordernden Vorbildverhalten versagen (sie fordern Gehorsam und sind selbst in dieser Forderung nicht vorbildlich!), wundert es nicht, dass Kinder und Schüler zunehmend Gehorsamsdefizite zeigen.

Gehorchen ist nicht frei von der Entscheidung das zu tun, was gefordert wird. Doch vor dem Tun ist das Verstehen, die Erkenntnis zu aktivieren: Was wird von mir gefordert, warum wird verlangt, dass ich dies und das tun soll? Ist das vernünftig, ist das ethisch vertretbar, ist das für den zum Gehorsam aufgeforderten möglich, ohne sich selbst zu verleugnen? Schließlich gibt es auch den Gehorsam gegenüber der eigenen Überzeugung, der eigenen Person und dem eigenen Gewissen.

Gehorchen ist demnach auch eine Frage der Priorität, sobald von verschiedenen Seiten Aufforderungen mit dem Imperativ „gehorche!“ ertönen. Wem geben wir unsere Bereitschaft zu tun, was von uns erwartet wird?

Der Apostel Petrus verteidigt die Priorität Gottes gegenüber einer weltlichen Gehorsamsforderung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ Gegen diese Priorität steht nichts mehr! Das ist gut so, denn was sollte gegen Gott stehen, der das Leben schuf, erhält und in Ewigkeit denen zusagt, die ihn und seine Gebote ernst nehmen und ihnen Priorität in ihren Lebensentscheidungen geben?

Wer Gott um Gottes willen gehorcht, kann sich in seinen Lebenswegen sicher wissen, selbst im Leid, selbst in der Trauer, auch in Krisen und Frustrationen.

Wer allerdings Gottes Wort und Gottes Gebote für die eigene „Ethik“ instrumentalisiert, wie es die Kirchen und Gemeinden immer wieder versucht sind zu tun, der muss sich sagen lassen: „Ich gehorche der Stimme Gottes und nicht der Stimme derer, die im Namen Gottes dogmatischen Gehorsam fordern, denn: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ Gehorsam führt in die Freiheit, falscher Gehorsam in die Knechtschaft, vergessen wir das nicht! (KRB)